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Ungemein schwerer Weg mit Seelennot und Rückfällen

Seit einem Jahr besteht nun die „Selbsthilfegruppe Essstörungen“ in Crailsheim. Jetzt hat sich der Kreis mit einem Info-Tag an die Öffentlichkeit gewandt. Im Mittelpunkt stand der Vortrag eines Mediziners.

Mathias Bartels, Hohenloher Tagblatt, 01.07.2009

Crailsheim. Stephanie Uhl ist die Kontaktperson, die auch die Selbsthilfegruppe leitet. Betroffene, Eltern, Angehörige und so genannte Multiplikatoren, die über Anorexie, Bulimie und Adipositas aufklären wollen, treffen sich jeden Samstag von 10.30 bis 11.30 Uhr in der Jugend-Sucht-Beratungsstelle Crailsheim, in der Schillerstraße 8. Der Internist und Psychotherapeut Dr. Harald Schickedanz klärte jetzt in seinem Referat über Seelennot, Ausflüchte, Gefühle und Therapiemöglichkeiten auf, mit denen er als Chefarzt des Plankrankenhauses, einer Spezialklinik in Bad Mergentheim regelmäßig zu tun hat.

Was auffiel: Schickedanz bemühte sich, seinem Publikum vor allem eines zu vermitteln- dass es in jedem Fall wichtig ist, sich mit allem Zeit zu lassen und gelassen zu bleiben. Allgemeingültige Erfolgsrezepte zur Behandlung von Essstörungen konnte auch er nicht benennen. Er baute vielmehr auf ein Maßnahmebündel, dem vor allem eines vorausgehen müsse: die Bereitschaft des (oder im Falle von Magersucht meist der) Süchtigen, sich dem Problem zu stellen. Dann erst könne der Mediziner eingreifen und verdeutlichen, dass es in lebenskritischen Situationen darum geht, dem Patienten zu verstehen zu geben, dass man nicht einfach sterben lässt, aber ihn auch nicht „fett machen“ will.

Welche typischen Verhaltens- und Persönlichkeitsmuster bei Magersucht greifen, macht der Arzt gleichfalls klar. In der Selbsthilfegruppe gehe es darum, positive Signale zu setzen und sich gegenseitig beim Gesundwerden zu unterstützen. „Es hilft nicht, sich mit Krankheitsbildern und Horrorszenarien negativ runterzuziehen“, bestätigte Gruppenleiterin Stephanie Uhl, eine ehemals selbst Betroffene. Die Tanzpädagogin hatte zuvor ihre eigene Sucht-Geschichte geschildert. Als wichtig stellte der Arzt seine Erfahrung heraus, bei jedem Erkrankten stets noch einen Ankerpunkt für gute Ansätze ausgemacht zu haben. „ Es gibt keine Hilfe ohne eigene Entscheidung, sich dem Leben zuzuwenden“, sagte Schickedanz. Die Rückfallquote gab er mit „rund einem Drittel“ an. In seiner Klinik in Bad Mergentheim mit etwa hundert Beschäftigten stehen 105 Therapieplätze zur Verfügung. Eine Schule ist angegliedert. Auf jeden Arzt oder Therapeuten kommen hier ungefähr neun Patienten. Es gibt eine relativ lange Warteliste. „ Der Einweisungsdruck ist in den letzten Jahren sehr gestiegen“, sagte er. Auch hier seien natürlich die Auswirkungen der Gesundheitsreform zu spüren.

Harald Schickedanz sprach sich dafür aus, die Selbstorganisation der Betroffenen zu stärken und sich klarzumachen, dass diese Art von Sucht eine andere ist als Alkoholabhängigkeit. „ Auf Alkohol kann man verzichten, wenn man es gelernt hat“, sagte er, „ aufs Essen nicht“. Der Magersüchtige müsse wieder lernen, ins Butterbrot zu beißen, ohne das nach der Therapie weiter vorhandene negative Gefühle zu bestätigen. „ Es gibt echte Heilung“, macht Schickedanz Hoffnung, aber das sei ungemein schwer.

Info
Auch die Jugend-Sucht-Beratung des Landkreises um Berater Christian Hunekohl kann weiterhelfen. Sie ist in Schwäbisch Hall unter 0791/8565730 oder in Crailsheim unter 07951/295900 erreichbar. Stephanie Uhl hat die 0163/9717265.

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